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+++ Vor dem Start nach Hannover: Unser Castor von Polizei gestoppt +++ O-Ton: "Sie können hier doch nicht mit einem Atomtransport rumfahren." +++ Fahrer Wim muss ins Taxi: Abdeckplane besorgen +++ Wir sind blockiert: von der Polizei! +++ Verhüllt geht's dann endlich los +++ Hannover: Wir kommem! +++
Der Castortransport wird wieder aufgehalten. Diesmal sind es nicht die Atomkraftgegner wie in Hamburg und auch nicht die Bahnunterführungen wie in Bremen. An diesem Morgen hält die Polizei den Transport des nachgebauten Atommüllbehälters auf. Morgens um halb zehn kommen zwei Zivilbeamte auf den Lkw-Fahrer zu und verbieten ihm loszufahren.
Foto: Sami Atwa
Der Grund: Der Behälter könnte Leuten Angst machen und dass könnte zu eine Gefahrensituation führen. Der Fahrer erzählt, die Polizisten hätten mit ihren Vorgesetzten telefoniert und besprochen, was zu tun sei. „Da wusste keiner genau, was Sache ist.“ Also erstmal abwarten. Und den bedrohlich wirkenden Behälter abdecken. Beim Baumarkt musste dann schnell eine 10 mal 12 Meter große Plane gekauft werden – zusammen mit Gurten zum Befestigen sind dafür knapp 100 Euro draufgegangen.
Nach zweieinhalb Stunden ist der Castorbehälter verhüllt, jetzt ist alles ungefährlich. Die Polizei muss es wissen, denn hier in Niedersachsen kennt man sich mit dem Transport der strahlenden Fracht aus: Seit Jahren rollen hier die Castoren in das Zwischenlager in Gorleben, immer zusammen mit einem riesigen Polizeiaufgebot aus ganz Deutschland. Nun soll der Atommüll aber nicht ins Wendland gebracht werden, wo nur wenige Menschen wohnen, sondern in die Landeshauptstadt Hannover.
Foto: Sami Atwa
Rund eine halbe Stunde hat der Castor Verspätung – das ist nichts zu den Verspätungen der Transporte nach Gorleben. Umweltschützer aus Hannover haben sich bereits auf dem Klagesmarkt versammelt und nehmen den Transport mit einem Raunen in Empfang. Dann setzt sich der Tross in Bewegung Richtung Hauptbahnhof. Dort gibt es einen kurzen Stopp für die Fotografen und dann ab durch die Innenstadt – nur der Castor ist nicht mehr dabei, weil er zu schwer ist.
Foto: Sami Atwa
Dafür haben die verkleideten Forscher mit ihren Atommüllfässern ihren Spaß. Zunächst wird eines in einem Müllcontainer versuchsweise endgelagert. Dann soll der Atommüll in einem Modegeschäft unter den Teppich gekehrt werden, doch eine Filialenmitarbeiterin protestiert. Und dann fahren einige Forscher mit dem Atommüll Rolltreppe – hinunter in die U-Bahn-Station.
Auf dem Opernplatz ist dann auch der Castor wieder da. Hier findet die Probebohrung statt um herauszufinden, ob die Hannoveraner Innenstadt als Endlager geeignet sein könnte. Daneben steht ein Trecker, auf dem zwei Fahnen der Grünen befestigt sind. Aber auch die politische Konkurrenz wirbt hier um potentielle Wählerinnen und Wähler: Bereits am Morgen hatte die Linkspartei den Platz großflächig mit Plakaten zugehängt, die sonst nirgends zu sehen sind: „Atomausstieg fix!“, steht darauf und darunter in kleinerer Schrift: „Schwarz-Gelb stoppen, Rot-Grün hat’s vermurkst“. Auf der Rückseite wird für eine Veranstaltung mit Gregor Gysi geworben. Peinlich: Sie ist am 5. September – genau an dem Tag der großen Anti-Atom-Demo in Berlin.
Medienberichte zur Aktion: